Geschichte des Theaterverlag Xaver Bauer



Im Jahre 1896 schrieb der damals 24jährige Ferdinand Winter aus Au bei Aibling das Theaterstück „s`Almröserl oder Jenneweins Ende“. Der Dichter fertigte von diesem Stück 3 handgeschriebene Manuskripte und verlieh sie an die Theaterbühnen. Diese mussten die Rollen für die Spieler selbst heraus schreiben. Dies blieb 25 Jahre lang so.



Am 30.06.1896 kam in Kogl ob Au der spätere Gründer des Verlages, Herr Xaver Bauer, zur Welt. Mit 16 Jahren spielte er bereits beim Kath. Burschenverein von Au bei Aibling Theater. Durch seine Heirat wurde der Heimatdichter Ferdinand Winter sein Onkel.



Durch die Tätigkeit als Theaterspieler war er natürlich nun auch mit den Stücken des Ferdinand Winter in Berührung gekommen. Als die handgeschriebenen Manuskripte des Onkels die Nachfrage des inzwischen berühmt gewordenen Stückes „s`Almröserl oder Jenneweins Ende“ in keiner Weise mehr befriedigen konnten, reifte bei Xaver Bauer der Gedanke das Stück drucken zu lassen. Hier kam ihm auch die kaufmännische Lehre zugute.



Bei einem Augsburger Buchdruckermeister, Xaver Bauer lernte ihn Ende des 1.Weltkrieges kennen, wurde dann das Stück von Ferdinand Winter erstmals gedruckt.



Das erste Rollenmaterial wurde am 27.05.1921 verkauft. Da die Nachfrage so groß war, wurde bereits 1924 eine 2.Auflage gedruckt. Dennoch stand in dieser Zeit noch nicht fest, dass daraus der Theaterverlag entstehen würde.



Der Heimatdichter, vom Erfolg seines ersten Stückes angespornt, schrieb noch weitere Werke. Die Uraufführungen wurden durch den Benefiziat Peter Bergmeier, Spielleiter der Theatergruppe des Kath. Burschenvereins Au bei Aibling durchgeführt. Anschließend wurde das Stück durch Xaver Bauer gedruckt. Nach einigen Jahren waren dies 11 Mehr- und 10 Einakter. Nun war aus den Anfängen doch ein Theaterverlag geworden. Seit 1926 befindet sich der Verlag in Mittenwald. Bals wurden in ganz Bayern Winter-Stücke gespielt, sodass auch andere Heimatdichter auf den Verlag aufmerksam wurden. Dies waren bzw. sind alles heimatverbundene Theaterdichter. Sie haben die Gabe, ländliche Begebenheiten aus eigener Kenntnis zu schildern und bühnenwirksam zu gestalten.



Von 1933 bis 1948 war der Verlag, durch die Auflösung der Vereinsbühnen, völlig lahmgelegt. Erst 1948 genehmigte die amerikanische Militärregierung die Weiterführung des Verlages. Unverzüglich wurde mit dem Satz alter und neuer Stücke begonnen. Bis 1971 konnte der Verlag 100 Mehr- und 80 Einakter anbieten. Dies sind vor allem Spiele in bayerischer Mundart, aber auch in schwäbischem Dialekt und schriftdeutscher Sprache.



Nach dem Tode des Gründers Xaver Bauer 1972 wurde der Verlag von seiner Gattin, Frau Maria Bauer, weitergeführt. Der Verlag brachte weitere Theaterstücke in Neudruck, musste aber auch, dem Zeitwandel folgend, einige Stücke aus seinem Angebot streichen.



Im Jahre 1992 starb die Verlagsinhaberin Frau Maria Bauer 96jährig. Sie vermachte den Verlag ihrem langjährigen Mitarbeiter, Herrn Hans Ostler sen., da dieser seit fast 50 Jahren für die Buchhaltung, in den letzten Jahren auch für das gesamte Verlagsgeschehen, verantwortlich war. Leider war es Herrn Hans Ostler nur vergönnt, den Verlag 5 Jahre zu führen. Er verstarb 69jährig plötzlich und unerwartet an einem Krebsleiden. Unter seiner alleinigen Federführung wurden immerhin 2 Mehr- und 3 Einakter neu gedruckt.



Der Theaterverlag ist ein Familienbetrieb, der immer dem volkstümlichen, bayerischen Bühnenspiel die Treue hielt und auch halten wird. Der Verlag wird seit 1998 von Hans Ostler jun. weitergeführt. Um einwenig konkurrenzfähig zu bleiben, mussten die seit Jahrzehnten gleichen Bezugsbedingungen dem Wandel der Zeit angepasst werden.



Ich hoffe, dass mir die Autoren sowie die Theaterbühnen, Laienbühnen, Bauerntheater, etc. weiterhin die Treue halten und ich versuche, die Tradition meiner Vorgänger fortzuführen.



Hans Ostler jun.


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